Einstweiliger Stopp beim Ausbau der Jugendsozialarbeit an Schulen in Landkreis Lindau

9.12.2019 Lindau (Bodensee). Der Jugendhilfeausschuss des Landkreises Lindau hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, die Staatsregierung aufzufordern, den bedarfsnotwendigen Ausbau der Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) zeitnah weiter zu fördern.

„Dieses Modell ist auch dank des Förderprogramms der Staatsregierung zu einem wirklichen Erfolg geworden“, so Landrat Elmar Stegmann. „Umso unverständlicher ist gegenwärtig die Haltung der Bayerischen Staatsregierung, dass für den Doppelhaushalt 2019/20 keine Neuanträge bzw. Stellenaufstockungen für JaS–Maßnahmen mehr bewilligt werden und auch keine Genehmigungen zum vorzeitigen Maßnahmenbeginn erteilt werden.“

In einem Schreiben an die bayerische Familienministerin Kerstin Schreyer fordert er deshalb als Minimalziel zumindest den vorzeitigen Maßnahmenbeginn, um mit allen weiteren Ausbauschritten nicht bis weit ins Jahr 2021 hinein warten zu müssen.

Das schnelle Erreichen des Ausbauziels von 1000 Stellen im Freistaat zeigt eindrücklich, wie notwendig und erfolgreich die Jugendsozialarbeit an Schulen ist. Auch im Landkreis Lindau wurden über die Jahre inzwischen 10,5 Stellen an 13 Schulstandorten geschaffen. Tobias Walch, Geschäftsbereichsleiter Soziales und Kreisentwicklung, ist überzeugt:

„Fundierte und gut vernetzte sozialpädagogische Unterstützung an den Schulen ist ein sehr wichtiger Bestandteil, damit junge Menschen positive Entwicklungen nehmen und zu gesunden und verantwortungsbewussten Persönlichkeiten reifen können.“

Der Jugendhilfeausschuss hat bereits zwei konkrete Beschlüsse für jeweils eine halbe neue JaS-Stelle an einer großen Grundschule und einem Realschulstandort gefasst. Für zwei weitere Standorte mit je einer halben Stelle laufen zwischen Jugendhilfe und Sachaufwandsträger aktuell die Gespräche.

Der nun eingetretene Förderstopp zwingt den Landkreis aus haushalterischen Gründen dazu, hier nun alle weiteren Planungen vorläufig auf Eis zu legen. „Dieses Ergebnis ist sicherlich auch nicht im Sinne der Staatsregierung, vor allem nicht zu einem Zeitpunkt, da man 20 Jahre Jugendsozialarbeit an Schulen als Erfolgsmodell einstufen möchte“, meint Stegmann.

Frühestens im nächsten Doppelhaushalt 2021/2022 soll erst wieder ein JaS-Ausbau möglich sein. Gegenwärtig werden Bedarfsmeldungen wohl lediglich auf Wartelisten gesetzt, die frühestens 2021 nach einem noch nicht bekannten Modus abgearbeitet werden sollen.

„Ich hoffe sehr, dass sich auf politischem Wege doch noch eine tragfähige Lösung für den weiteren Ausbau des Erfolgsmodells JaS finden lässt – tragfähig für den Freistaat und uns Kommunen, sinnvoll aber vor allem für die betroffenen jungen Menschen und ihre Familien“, schreibt der Landrat in seinem Brief an die Ministerin.

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