Memmingen verleiht Auszeichnungen für vorbildliche Sanierungen

27.7.2015. Im Rahmen der Heimatstunde zum Ausklang des Memminger Fischertages verlieh die Stadt Memmingen zwei Fassadenpreise und eine Belobigung.

Die Fassadenpreise gingen an die k+s real estate GmbH & Co. KG, vertreten durch Josef Kurz für die gelungene Gesamtsanierung des Anwesens Kempter Straße 31 „Versunkenes Rathaus“ und die Huetlin & Roeck Mühle Immobiliengesellschaft mbH & Co. KG, vertreten durch Armin Meyer und Günther Meyer, Elmar und Ruth Meyer für die vorbildlich gelungene umfassenden Sanierung des Anwesens Donaustraße 38, ehemalige Huetlin & Roeck Mühle. Die Belobigung erhielt Rufus Zobeley für die vorbildlich gelungene Sanierung der Fassade des Anwesens Kalchstraße 39 „Gaul in der Wiege“.

Es ist bereits gute Tradition, den Fischertag mit der Heimatstunde abzuschließen. Mit launigen Worten begrüßte Vorsitzender Michael Ruppert die Gäste zusammen mit dem neuen Fischerkönig Michael I., „den Abiturienten“. Ruppert verglich den Fischertag mit einem Monopolyspiel: „Los geht’s mit der Fischerversammlung und der Premiere des Fischertagstheaters „Arsen und Spitzahäuble“. Nach dem Kinderfest wird am Vorabend der Fischertag ausgerufen, mit dem Ausfischen des Baches biegt man mit dem Frühschoppen auf die Schloßallee, die in Memmingen natürlich Königsallee heißt ein“. Der Fischerabend auf dem Marktplatz sei ein voller Erfolg gewesen und heute erfahre mit der Heimatstunde der Fischertag 2015 seinen würdigen Abschluss, so Ruppert weiter.

Fester Bestandteil der alljährlichen Heimatstunde ist die Verleihung des Fassadenpreises durch die Stadt. Bevor Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger die Preisverleihung vornahm, betonte er die sehr gute Stimmung und bestätigte „die guten Eindrücke von der Stadt“, welche die Gäste aus den Partnerstädten mit nach Hause nahmen.

„In Sitzung des Bausenates vom 17. Juni vergab in Abstimmung mit der Heimatpflege der Stadtrat zwei Fassadenpreise und eine städtebauliche Belobigung“, so Dr. Ivo Holzinger zu Beginn seiner Laudatio.

Die Begründungen lauten:

Städtebauliche Belobigung
Vorbildlich gelungene Sanierung der Fassade des Anwesens Kalchstraße 39 „Gaul in der Wiege“
Bauherr: Rufus Zobeley

„Gaul in der Wiege“ (Kalchstraße 39, alte Haus-Nr. 288). Das Haus Kalchstraße 39, dessen Geschichte bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht, war in der Barockzeit im Besitz bedeutender Familien, darunter die Zangmeister (ab 1729), Koch (ab 1759) und Ahna (ab 1779). 1788 wurde das Haus erneuert und um ein drittes Stockwerk erweitert. 1816 erwarb Melchior Egloff von Stoll zu Wespach das Haus und bewohnte es mit seiner Familie 48 Jahre lang. Der ehemalige reichsstädtische Gerichtsassessor und damalige Offizier der bayerischen Kavallerie war neben 11 weiteren Patriziern einer der finanzkräftigsten Bürger Memmingens und neben Friedrich Joseph von Heuß (Gut Trunkelsberg), Friedrich Freiherr von Lupin (Gut Illerfeld) und Johann Jakob von Wachter (Gut Eisenburg) bis 1848 Inhaber einer gutsherrlichen Gerichtsbarkeit. Landhäuser in Berg und Grünenfurt zählten damals ebenso zum Familienbesitz wie der benachbarte sog. Stollsche Stadel an der Krautgasse. Als Melchior Egloff von Stoll 1862 starb, ging das Haus in den Besitz seines Schwiegersohnes Dr. med. Otto Sigmund von Hartlieb über. In die Zeit bis zu dessen Tod 1887 wird eine Sage datiert, die vom „Gaul in der Wiege“ erzählt:

Als dem Tod seiner Frau ließ der Memminger Patrizier all ihren Schmuck mit ins Grab legen. Der Totengräber – davon wissend – öffnete noch am gleichen Abend das Grab, um den Schmuck zu rauben. Die nur scheintote Frau erwachte, trieb den Übeltäter in die Flucht und läutete – nur mit ihrem Leichenhemd bekleidet – am Haus in der Kalchstraße. Auf die Frage ihres Ehemannes, wer denn da so spät noch sei, antwortete sie: „I be’s, dei Weib!“, worauf dieser erwiderte: „Des ka it sei, diea hamm’r heit vergraba!“ Darauf erwiderte sie: „So wahr d’r Gaul in d’r Wiaga flacket, so wahr be i dei Weib!“ Der Mann überzeugte sich sogleich davon und tatsächlich lag ein Gaul in der Wiege. Er öffnete nun die Tür und konnte seine Frau wieder in die Arme nehmen.

Fassadenpreis 2015
Vorbildlich gelungene Gesamtsanierung des Anwesens Kempter Straße 31 „Versunkenes Rathaus“
Bauherr:
k+s real estate GmbH & Co. KG, vertreten durch Josef Kurz

Das historische Gebäude wurde im späten 19. Jahrhundert entsprechend der heutigen Gestalt überformt. Abgesehen davon, dass die Gesamtsanierung als herausragender denkmalpflegerischer Akt zu werten ist, geht auch die Renovierung der Fassaden weit über eine bloße „Kosmetik“ hinaus, weil typische Elemente der Gründerzeit, wie z. B. die sog. „Galgenfenster“ oder die Giebelbekrönungen auf der Basis von Befunden revitalisiert wurden. Die Sanierung des städtebaulich überaus markanten Anwesens führt zu einer deutlichen Aufwertung des umliegenden Areals.

Fassadenpreis 2015
Vorbildlich gelungene umfassenden Sanierung des Anwesens Donaustraße 38, ehemalige Huetlin & Roeck Mühle
Bauherr:
Huetlin & Roeck Mühle Immobiliengesellschaft mbH & Co. KG, vertreten durch Armin Meyer und Günther Meyer, Elmar und Ruth Meyer

Das im frühen 20. Jahrhundert in gemäßigt historisierenden Formen errichtete Mühlengebäude zeigte in den letzten Jahrzehnten in zunehmendem Maße unübersehbare Spuren baulicher Vernachlässigung. Da der großzügig dimensionierte Bau mit seinem charakteristischen Turm für das Bild der Einfallstraße ins Stadtgebiet von prägender Bedeutung ist, kommt der umfassenden Sanierung besonderes Gewicht zu. Die Fassaden mit der gelungenen Farbgebung setzen nun wieder einen willkommenen städtebaulichen Akzent.

Im Anschluss an die Verleihung des Fassadenpreises gab Stadtarchivar Christoph Engelhard mit seinem Vortrag „Die Stadtmetzg“ einen Einblick in das „Fleischerhandwerk“ des historischen Memmingens.

Musikalisch umrahmte das Querflötenduo der Sing- und Musikschule der Stadt die Veranstaltung. Mit den Tänzen „when you believe“ und „Circle of Life“ bereicherte die Ballettschule Buhmann das Programm der Heimatstunde 2015.

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