Ostallgäu präsentiert Klimaanpassungskonzept

10.12.2019 Landkreis Ostallgäu. Als erster Landkreis in Bayern stellt das Ostallgäu ein Konzept zur Anpassung an die Folgen der Klimakatastrophe vor.

Ziel ist es, Schäden durch den Klimawandel vorzubeugen und nach Möglichkeit die lokalen Lebens- und Wirtschaftsgrundlagen zu sichern. Unterstützt wurde der Landkreis dabei vom Bayerischen Landesamt für Umwelt. „Klimaschutz hat nach wie vor höchste Priorität für uns. Aber auch die Anpassung an die bereits unvermeidbaren Änderungen des Klimas ist absolut notwendig, wenn wir auch künftig gut und sicher hier leben wollen“, sagt Landrätin Maria Rita Zinnecker.

Die Voraussagen sind alarmierend: Die auf den Landkreis heruntergebrochenen Projektionen lassen einen Temperaturanstieg um mehr als fünf Grad bis zum Ende des Jahrhunderts erwarten. „Dann herrschen bei uns Bedingungen wie sie hier seit Beginn der Menschheit noch nie geherrscht haben“, sagt Zinnecker. Das führe zu mehr trockenen Sommern und Hitzeereignissen, geringerer Grundwas-serneubildung, weniger Schnee, höheren Gesundheitsrisiken, größerer Waldbrandgefahr, Verschie-bung von Lebensräumen von Tieren und Pflanzen sowie mehr und stärkeren Extremwetterereignis-sen.

Die klimatischen Veränderungen stellen Menschen, Tiere und Pflanzen sowie die Infrastruktur vor enorme Herausforderungen. Konkrete Beispiele für Veränderungen sind die Verbreitung fremder und möglicherweise auch schädlicher Arten und Krankheiten, der Verlust von Lebensraum für spezialisierte Arten, die rapide steigende Wahrscheinlichkeit für Borkenkäfer-Massenvermehrung oder die Wasserknappheit und daraus resultierende Nutzungskonflikte. Auch ist absehbar, dass durch die klimati-schen Veränderungen in südlichen Ländern die Klimamigration ein brisantes Thema werden wird.

Auf Basis der erwarteten Klimawirkungen wurden im Ostallgäuer Klimaanpassungskonzept nun 48 Maßnahmenvorschläge in elf Handlungsfeldern definiert, die die Bayerische Klimaanpassungsstrategie gezielt ergänzen. So zum Beispiel der Aufbau eines zweiten Standbeins für Trinkwasserversorger, die Unterstützung der wirtschaftlichen Diversifizierung für bäuerliche Kleinbetriebe, die Stärkung von Biotopverbünden zur Vernetzung von Lebensräumen oder die Information zu Gesundheitsgefahren, Vermittlung von richtigem Verhalten bei Extremwetter, baulichen Vorkehrungen oder Risikominimierung für Unternehmen.

„Wir sind mit dem Konzept am Puls der Zeit und beweisen mit unserer Arbeit ein vorausschauendes Gespür für die Entwicklungen. Erst recht wenn man sieht, dass jetzt beim UNO-Klimagipfel in Madrid auch die Klimaanpassung auf der Agenda steht. Gleich konkret mit der Umsetzung begonnen werden soll beispielsweise mit der Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Klimaanpassung, der Unterstützung der Trinkwasserversorger bei der Bildung von Verbünden und der Verankerung der Klimaanpassung in der Bauleitplanung und in Gewerbegebieten im Landkreis. „Mit dem Konzept denken und planen wir generationenübergreifend. Die Anpassungsstrategien sind vorausschauend, damit unsere Kinder eine lebenswerte Zukunft haben“, sagt Zinnecker.

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