Rückblick auf die Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag 2019 in Memmingen

19.11.2019 Memmingen. Bei kühlem, windigem Wetter fanden in diesem Jahr der Trauerzug von der Münchner Straße auf den Waldfriedhof und die öffentliche Gedenkfeier der Stadt Memmingen statt.

Der Spielmannszug und Vertreter der Freiwilligen Feuerwehr, eine Abordnung des Bayerischen Roten Kreuzes und das Bläser-Ensemble der Stadtkapelle sorgten für einen feierlichen und stimmungsvollen Rahmen. Auch in den Stadtteilen gedachte man der Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft in zahlreichen Gottesdiensten und Gedenkfeiern an den Kriegerdenkmälern.

Neben Vertreterinnen und Vertretern von Verbänden und Vereinen nahmen an dem ehrenden Gedenken auch die beiden Dekane der katholischen und evangelischen Kirche, Ludwig Waldmüller und Christoph Schieder, teil.

In seiner Ansprache begrüßte Oberbürgermeister Manfred Schilder zudem Bürgermeisterin Margareta Böckh, Bezirkrätin Petra Beer, die Ehrenbürger der Stadt, Altoberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger und Staatsminister a.D. Josef Miller sowie den Landtagsabgeordneten und Bürgerbeauftragten Klaus Holetschek.

Abgeordnete der Freiwillige Feuerwehr und des BRK führten den Trauerzug an. (Foto: Andrea Rihm/Pressestelle Stadt Memmingen)

Der katholische Dekan Ludwig Waldmüller sagte in seiner Rede: „Der Volkstrauertag erinnert an die Opfer von Gewalt, Egoismus und Unverantwortlichkeit – und ich bin sprachlos angesichts dessen, was immer noch passiert.“ Er schlug den Bogen von der Friedens- und Sozialenzyklika „Pacem in Terris“ (Frieden auf Erden) über das Versöhnungsgebet von Coventry bis hin zu aktuellen Ereignissen.

Auch die ungleichen Verhältnisse zwischen den Industrienationen und den Regionen des Globalen Südens thematisierte er. Papst Johannes XXIII hatte seine Enzyklika am 11. April 1963 zum ersten Mal nicht nur an die Gläubigen gerichtet, sondern ganz bewusst „an alle Menschen, die guten Willens sind“, erinnerte der Dekan.

Der Volkstrauertag ist aber nicht nur ein Tag des Gedenkens. Er mahnt auch: zu Versöhnung, Verständigung und Frieden. Dies griff Oberbürgermeister Manfred Schilder in seiner Ansprache auf. Jeder sei gefragt, dafür zu sorgen, dass Versöhnung stattfindet. „Lasst euch erzählen, wie es damals war, was damals war. Und erzählt diese Geschichten jenen, die heute hetzen. Fragt sie, ob sie vergessen haben, dass ein Krieg nicht mit dem ersten Schuss beginnt, sondern viel früher.“

Der Krieg hat einen sehr langen Arm. Noch lange, nachdem er vorbei ist, holt er sich seine Opfer – diesen Satz des Lyrikers und Erzählers Martin Kessel nahm Manfred Schilder auf:

„Auch viele Jahre nach dem Ende eines Krieges und weit entfernt vom Handlungsort müssen Menschen leiden.“ Der Volkstrauertag sei deshalb auch für sie gedacht. „Die Opfer sind unschuldige Menschen. Menschen, die unfreiwillig ihre Heimat verlassen müssen. Ehefrauen, Väter, Mütter, Kinder von Gefallenen und Vermissten.“

Es folgte die Niederlegung der Kränze. Für die Stadt traten Oberbürgermeister Manfred Schilder, Bürgermeisterin Margareta Böckh und die Stadt- und Bezirksrätin Petra Beer vor. Klaus Holetschek, Landtagsabgeordneter und Bürgerbeauftragter der Staatsregierung stand ihnen zur Seite.

Im Anschluss folgte das Gedenken auf dem jüdischen Friedhof. Wie es der Brauch auf jüdischen Begräbnisstätten ist, legten Oberbürgermeister Manfred Schilder und Altoberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger, Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Memmingen, nicht nur einen Kranz nieder, sondern auch einen Kieselstein auf die dortige Gedenkstätte.

Efrat Pan, die Kulturbeauftragte der DIG, brachte ihre Gefühle zum Ausdruck. Sie sprach über die Angst, mit der sie lebt: „Wir sind erschrocken, wenn wir beobachten, was in Deutschland passiert.“ Wie im Vorjahr begleitete sie das Gedenken mit einem hebräischen Gebet.

„Es gibt viel zu sagen, und zugleich auch nicht mehr so viel zu sagen. Der Anschlag in Halle muss uns Mahnung sein. Wir alle müssen uns fragen, was wir tun können, damit sich der Hass nicht noch mehr verbreitet“, forderte sie eindringlich.

Oberbürgermeister Manfred Schilder forderte in seiner Ansprache zum Dialog mit Zeitzeugen auf. (Foto: Andrea Rihm/Pressestelle Stadt Memmingen)

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